Frau Rumpolds 96.000-Euro-Pressekonferenz ist ja ebenso legendär geworden wie die 6,6 Millionen Euro, die ihre Mini-PR-Agentur insgesamt an die Eurofighter GmbH verrechnet hat. Das war es wert, sagte damals der Eurofighter-Geschäftsführer im ZiB 2-Interview: "Wir sind in keiner Weise von den Leistungen der Firma enttäuscht worden, ganz im Gegenteil." Und: "In unserem Geschäft arbeiten wir durchaus mit anderen finanziellen Größen." Mit Parteienfinanzierung hätte der Auftrag an die BZÖ-nahe Agentur jedenfalls ganz sicher nichts zu tun gehabt. (Nur zur Erinnerung: das BZÖ stellte damals den Verteidigungsminister.)
Nahezu wortgleich argumentierte heute Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner im ZiB 2-Studio. Sein Baukonzern hat 2004 an die PR-Firma "euro:contact" mehr als 15 Millionen Euro überwiesen. Diese Firma hatte damals laut einem Bericht der Zeitschrift "Datum" genau drei Mitarbeiter, ihre beiden Geschäftsführer waren 26 und 27 Jahre alt, einer davon der heutige LIF-Chef Alexander Zach. "Wir waren mit den Dienstleistungen der Firma sehr zufrieden", sagt jetzt Haselsteiner. Provisionen "von 0,5 bis 2 Prozent" seien in seiner Branche "schon großzügig", aber durchaus "üblich". Mit Schmiergeldern an ungarische Parteien habe das alles überhaupt nichts zu tun. Daraus lernen wir: der junge LIF-Obmann Zach muss nicht nur ein enormes geschäftliches Talent sondern auch - was bisher nicht so bekannt war - Multimillionär sein. Denn er war bis Jahresende 2005 einer der beiden 50%-Eigentümer von "euro:contact".
Anonyme Kritiker vermuten hinter den Geldtransfers allerdings genau jene Parteienfinanzierung, die Haselsteiner vehement bestreitet. Interessanterweise ist seit kurzem eine
Website online, auf der zahlreiche interne Dokumente von "euro:contact" im Faksimile zu sehen sind. Wer hinter der Website steht, ist nicht ganz klar, offensichtlich jedenfalls jemand, der den Liberalen vor der Nationalratswahl nichts Gutes will.
Haselsteiner dementiert jedenfalls energisch, dass er in Österreich oder im Ausland irgendwelche Parteien außer den Liberalen finanziert. Die Grenzen sind hier allerdings durchaus fließend. 2005 hat die Strabag 240.000 Euro an die "Orange Werbeagentur GmbH" in Wien überwiesen. Deren 100%-Eigentümer war das BZÖ, Geschäftsführer der Agentur war Partei-Geschäftsführer Arnold Eccher. Dass die kleine Firma außer den Werbeaktivitäten und dem Wahlkampf des BZÖ noch irgendwelche kommerziellen Aktivitäten entwickelt hätte, ist nicht bekannt. Aber für die Strabag hat sie ein "Konzept zur Einführung der LKW-Maut in Tschechien, der Slowakei und Ungarn" erstellt. Eben für 240.000 Euro. Aber darin eine Parteispende zu sehen (das BZÖ saß damals noch in der Regierung und stellte u.a. den Infrastruktur-Minister) sei "absoluter Blödsinn", sagte damals ein Sprecher der Strabag. Ein solcher Preis sei "absolut marktüblich". Ich habe echt den falschen Beruf ...