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Armin Wolf. (Bild: ORF) von Armin Wolf
26.01.2009 | 07:03
Handy-Land
Zur Sendung kann ich derzeit wenig beitragen. Ich bin für einige Tage in Tokio - aber hier lässt sich eindrucksvoll beobachten, wohin sich unsere Medienwelt möglicherweise entwickelt.
Ein Japaner würde diesen Tagebuch-Eintrag auf seinem Handy lesen - nicht am Computerschirm. Mehr als die Hälfte der Internet-Nutzung in diesem Land entfällt auf den Zugang via Mobiltelefon ("keitai"). Dabei ist das alles andere als billig: Die Flate rate für ein ordentliches Datenpaket liegt bei etwa 70 Euro pro Monat. Interessanterweise sind hier viel weniger verschiedene Handy-Modelle verbreitet als in Europa. Aber alle haben eine großen Bildschirm, eine Taste, um direkt den Netzzugang aufzurufen und eine hochauflösende Kamera (hier ein typisches Modell). Das Mobiltelefon ist mittlerweile das mit Abstand wichtigste Medium hier - jedenfalls bei allen Jüngeren: Im Schnitt nützen sie ihr Handy 2,5 Stunden pro Tag. Telefonieren spielt dabei jedoch nur eine kleine Rolle (durchschnittlich nicht mehr als fünf Anrufe pro Tag), auch SMS sind sehr viel weniger verbreitet als bei uns.

Japaner nützen ihr Handy in erster Linie als Internet-Zugang: Sie bekommen auf diese Weise ihre News, sehen fern (fast jedes Handy kann alle terrestrischen TV-Programme in Tokio empfangen), buchen Kinokarten (am Display sehen sie, welche Sitze noch frei sind), reservieren Plätze im Restaurant, schauen sich Trickfilme an (in Yokohama gibt es bereits ein eigenes Festival für Handy-Filme), lesen Liebesromane, die eigens für das Telefon geschrieben werden (hier eine lesenswerte Story dazu), spielen online, laden neue Klingeltöne oder lassen sich ihre Zukunft vorhersagen. Und sie bezahlen mit dem Handy, indem sie es bei der Supermarkt-Kassa für ein paar Sekunden auf ein kleines Terminal halten, ohne einen Code einzutippen oder irgendetwas zu unterschreiben. Schon in wenigen Monaten will einer der Mobilnetz-Betreiber ein Service anbieten, mit dem man via Handy seine Haustür sperrt, seine elektischen Geräte zuhause fernsteuern kann und über eine Kamera das Kinderzimmer überwacht. Über die GPS-Funktion im Handy soll man Restaurant-Tipps für die Gegend bekommen, in der man sich gerade aufhält, den aktuellen Wetterbericht und Verkehrshinweise. Und natürlich individualisierte Werbung.

Bedenken, was die Privatsphäre und die Datensicherheit betrifft, scheinen dabei nicht allzu ausgeprägt zu sein. Das alles ist faszinierend zu beobachten, aber auch ziemlich irritierend ...